Reiseführer: Spannende Orte im Harz

Ich erkunde den Harz gerade von einem gemütlichen, warmen Ort aus: meiner Couch. Die beiden Autoren Kirsten Elsner-Schichor und Wolfgang Braun sind dagegen losgezogen. Dank ihrer Reiseführer kann ich im Wohnzimmer auf Abenteuertour gehen. 

"111 Orte im Harz, die man gesehen haben muss", von Kirsten Elsner-Schichor, Emons-Verlag 2017, 16,95 Euro.

Für alle, die gut unterhalten und inspiriert werden möchten

Mein Exemplar des Reiseführers von Kirsten Elsner-Schichor ist voll mit Klebezetteln, Randbemerkungen und unterstrichenen Stellen. Alles Hinweise auf interessante Orte, die ich noch sehen will. Die Mischung ist gut: der Gourmet wird hier genauso fündig wie der Geschichtsfan, die Wander-Freundin genauso wie die architektonisch Interessierte.

 

Die Autorin Kirsten Elsner-Schichor stellt zum Beispiel das Baudenkmal der alten Schokoladenfabrik in Hasserode vor, die dicken Tannen in Hohegeiß und das Wildwasserrevier im Okertal. Sie erzählt interessante Geschichten von Harz-Auswanderern (Blumenau-Museum in Hasselfelde), der berühmten Erbsensuppe aus der Gulaschkanone (Drei Annen Hohne) oder dem Jugendstil-Sanatorium in Braunlage.

 

Sie plaudert auch über die Harz-Urlaube ihrer Kindheit. So finden Erinnerungen und ungewöhnliche Ziele wie die Hochhäuser für Feriengäste in Altenau oder ein alter Kaugummiautomat Eingang in das Buch. Ihr Blick ist liebevoll, aber nicht unkritisch. 

 

Ansprechende, seitengroße Fotos und eine Karte mit allen 111 vorgestellten Orten runden das Buch ab. 

 

Fazit: Unterhaltsame Lektüre mit ungewöhnlichen Tipps, die auch für Harz-Kenner viel Neues bietet. 

 

 


"Geheime Orte im Harz. Ein Ausflugsführer", von Wolfgang Braun, Nicolai-Verlag 2016, 12,95 Euro.

Für alle, die Wert auf wissenschaftliche Tiefe legen (oder einfach weiter blättern, wenn es zu kompliziert wird)

Seltsam, das hier nur ein Autor genannt wird. Der Ausflugsführer liest sich, als wäre er von zwei Autoren geschrieben worden: einer konzentriert sich auf die wichtigen, interessanten Punkte, schreibt anschaulich und verständlich, der andere verliert sich in wenig unterhaltsamen Details und verschreckt mit trockener Wissenschaftssprache.

 

Sehr anschaulich wird beispielsweise der Besuch Goethes 1777 in der Silbergrube Samson in Sankt Andreasberg beschrieben: 90 Minuten brauchte er, um Sprosse für Sprosse hinunterzuklettern. Dabei, so liest man, war die Grube damals nur 400 Meter tief, ein Jahrhundert später waren es schon 840 Meter. Die Leser erfahren, dass der Harz eine der bedeutendsten Bergbauregionen war und das dort jahrhundertelang 40 bis 50 Prozent des Silbers aus ganz Deutschland gefördert wurde. Ein prima Einblick.

 

Auch der Brocken und die Spionage zu DDR-Zeiten mit Parabolspiegeln und Antennen wird beeindruckend und gut beschrieben. 

 

Dagegen dürften sich höchstens Fachleute für die archäologischen Details interessieren, mit denen die Theorie einer keltischen Kultstätte auf dem Wurmberg widerlegt wird. Den durchschnittlich interessierten Urlauber dürfte das überfordern. Manche Sätze muss man mehrfach lesen, um sie zu verstehen. Im Kapitel um die Goslarer Klusfelsen heißt es beispielsweise: "Die Forscherin, deren Thesen von Vertretern der Geschichtswissenschaft nicht zur Kenntnis genommen werden, steht in der Tradition unter anderem eines Karl Maria Willigut, der auch als 'Himmlers Rasputin' in die Geschichte einging." Klingt nach Pflichtlektüre für die nächste Hausarbeit. 

 

Erschreckend, aber sehr informativ ist dagegen das Kapitel über das Heim in Borntal bei Bad Sachsa, in das die Kinder der Widerständler des 20. Juli 1944 gebracht wurden. Ein abgeschiedener, kaum bekannter Ort, der heute ein Campingplatz ist.

 

Am Ende der Kapitel gibt es im "Steckbrief" jeweils eine kurze Zusammenfassung sowie weitere Informationen. Eigentlich eine gute Idee, aber wenn dann unter "Einkehr" zum Beispiel bei Sankt Andreasberg steht: "bietet .... viele attraktive Restaurants", dann hilft das nicht wirklich weiter. 

 

Fazit: Gemischt. Neben anschaulichen, interessanten Kapiteln auch welche, die eher trocken und wissenschaftlich sind.


Kennt jemand eines der beiden Bücher?

Wie hat es euch gefallen? Ich freue mich über Kommentare dazu. 

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Wer schreibt hier?

Mein Name ist Monika Herbst. Ich bin Journalistin, lebe in Braunschweig und verbringe meine Freizeit so oft es geht im Harz - mit Familienausflügen, Wanderungen, Mountainbiken und gutem Essen. Wo es im Harz am schönsten ist, könnt ihr in meinem Blog lesen. Mehr dazu:

Harzlust - die Idee hinter dem Blog.


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Kommentare: 2
  • #1

    Dirk Lübker (Dienstag, 16 Januar 2018 19:55)

    Die 111 Orte habe ich als Weihnachtsgeschenk erhalten und bislang nur angelesen. Jede Doppelseite mit Foto und informativem Text. Es scheint, als ob ich neues erfahren oder zumindest an altes erinnert werde. Und es wird ein Anstoß sein, mal wieder das eine oder andere zu besuchen.

    Aber zuerst werde ich "das verborgene Leben des Waldes" zu Ende lesen. Es stammt nicht von Peter Wohlleben sondern von David G. Haskell. Er beschreibt übers Jahr die Vielfältigkeit einer kleinen Waldfläche. Wenn man die Namen der amerikanischen Lebewesen überließt, könnte es auch ein Stück Nationalpark Harz sein. Ein Buch mit vielen kleinen "ach, so" Erkenntnissen.

  • #2

    Monika (Dienstag, 16 Januar 2018 20:43)

    Hallo Dirk,
    vielen Dank für deinen Kommentar. Schön, dann hast du die Lektüre der "111 Orte" noch vor dir. Es wir dir bestimmt gefallen :) Aber "Das verborgene Leben des Waldes" hört sich auch sehr interessant an. Falls du mal wieder auf dieser Seite vorbeikommst und einen Moment Zeit hast, würde ich mich freuen, zu hören, was für dich darin am spannendsten war ...
    Viele Grüße, Monika