Kindertag in Quedlinburg

Schatzsuche Quedlinburg

Der Schreckensturm: Mitleid mit den früheren Insassen

Das Kind (8) schaut beeindruckt nach oben zum Turm. "Haben die wenigstens Brot oder so bekommen?", fragt er mitleidig. Wir stehen in Quedlinburg vor dem Schreckensturm. Gerade haben wir erfahren, dass es in dem Turm ein Verließ gibt, in dem früher Lügner, Diebe und schlimmere Verbrecher eingesperrt wurden. "Mussten die da drin bleiben, bis sie tot waren?", hakt das Kind nach. Ich beruhige ihn: So schlimm war so ein Diebstahl ja auch wieder nicht, dass man deshalb das restliche Leben im Verließ schmoren musste. Ich hoffe, dass es stimmt, was ich ihm sage ...

Schreckensturm Quedlinburg

Mit der Kinder-Schatzkarte unterwegs in Quedlinburg

Die weiteren Ziele der Kinder-Schatzkarte sind deutlich positiver: alte Fachwerk-Gebäude, für die Quedlinburg berühmt ist, besonders aufwändig angeordnete Ziegel-Ausfachungen im Fachwerk und andere kleine Details an den Häusern, die ein genaues Auge erfordern. Jedes gefundene Ziel ergibt einen Buchstaben des Lösungswortes. Für die Kinder lohnt sich der Einsatz: Haben sie das Rätsel gelöst, bekommen sie eine laminierte Karte, die sie offiziell als Quedlinburg-geprüfte-Schatzsucher ausweist - und eine Kugel Eis. So motiviert habe ich mein Kind selten durch die Straßen laufen sehen. Insgesamt 14 Lösungsbuchstaben gilt es aufzuspüren. Wir sind locker eineinhalb Stunden unterwegs. Und das Lösungswort ist für Kinder schwer genug, um nicht mal eben darauf zu kommen. Ein abruptes Ende der Tour ist also nicht zu befürchten. Als Erwachsener bekommt man dank der Schatzkarte einen guten Überblick über die wichtigsten Gebäude der kleinen Stadt. Eine tolle Sache!

Fachwerk Quedlinburg
Fachwerk Quedlinburg
Quedlinburg

Mit der Bimmelbahn durch die Stadt

Wer danach müde Füße hat und trotzdem noch mehr von Quedlinburg sehen will, nimmt eine der Bimmelbahnen, die zu jeder vollen Stunde vom Marktplatz abfahren. Damit kann man sich 45 Minuten lang bequem durch die Stadt kutschieren lassen, während der Fahrer viele Fakten über Quedlinburg erzählt. 

Quedlinburg, Bimmelbahn, Stadtrundfahrt

Das ist eigentlich eine gute Sache, doch sie hat einen Haken: Der Fahrer ist kaum zu verstehen, wenn die Bahn über Kopfsteinpflaster ruckelt. Und in Quedlinburg gibt es viel Kopfsteinpflaster. Das Kind gibt irgendwann auf und vertieft sich in ein mitgebrachtes Spiel. Es bekommt nicht mit, dass Quedlinburg im 19. und 20. Jahrhundert durch den Verkauf von Saatgut viel Geld verdient hat und dass die Straßen, die das Zuhören so schwer machen, mit Steinen aus der Bode gepflastert wurden. Nach der Tour wird es Zeit, das Belohnungseis von der Schatzsuche abzuholen ...

Information

  • Die Schatzkarte gibt es in der roten Tourist-Information am Marktplatz von Quedlinburg. Kosten: 3,50 Euro.
  • Die Fahrt mit der Bimmelbahn dauert 45 Minuten und kostet für Erwachsene 6 Euro, für Kinder 2,50 Euro. 

Extra-Tipp für Architektur-Interessierte

Quedlinburg, Fachwerkmuseum, Ständerbau

Für Erwachsene lohnt ein Abstecher ins Fachwerkmuseum in Quedlinburg. Es ist nicht nur deshalb interessant, weil man darin sehen kann, wie Fachwerk gebaut wird und wie es sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hat, sondern auch, weil man Fachwerk selbst erleben kann: Das Museum ist in einem der ältesten Fachwerkhäuser in Quedlinburg untergebracht, einem Ständerbau, errichtet Mitte des 14. Jahrhunderts. Damals reichten die Holzbalken durchgehend von der Schwelle bis zum Dach. Jeder Raum hat eine andere Höhe, alles ist klein und verwinkelt und größere Menschen müssen häufig den Kopf einziehen. 

  • Fachwerkmuseum Quedlinburg, Wordgasse 3 in Quedlinburg. Öffnungszeiten: April bis Oktober, 10-17 Uhr (Einlass bis 16.30 Uhr), donnerstags geschlossen. Von November bis März geschlossen, nur an den  Adventswochenenden geöffnet. Eintritt: 3 Euro (Erwachsene)

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Wer schreibt hier?

Mein Name ist Monika Herbst. Ich bin Journalistin, lebe in Braunschweig und verbringe meine Freizeit so oft es geht im Harz - mit Familienausflügen, Wanderungen, Mountainbiken und gutem Essen. Wo es im Harz am schönsten ist, könnt ihr in meinem Blog lesen. Mehr dazu:

Harzlust - die Idee hinter dem Blog.


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Kommentare: 2
  • #1

    Dennis (Mittwoch, 11 Oktober 2017 19:30)

    Hallo Monika, als Blankenburger strolche ich ja liebend gerne duch QLB. All das Fachwerk, Wahnsinn. Und man entdeckt auch nach hundert Mal noch Neues. So wie heute. Schreckensturm? Nie gehört, nie gesehen. Ist mit jetzt glatt ein bissel peinlich, aber danke dir ;-)

  • #2

    Monika (Donnerstag, 12 Oktober 2017 10:58)

    Hallo Dennis,
    haha, das finde ich sehr beruhigend. Wenn ich eine Führung durch Braunschweig machen müsste, wo ich immerhin seit vielen Jahren lebe, wäre ich auch ziemlich aufgeschmissen ... ;)