Eckertal: Idyllisches Hofcafé im ehemaligen Grenzgebiet

Stachelbeertorte, Waldcafé am Jungborn, Eckertal/ Bad Harzburg

Einzigartige Natur ganz dicht am Bahnhof

Es war ein Wandertag voller Überraschungen. Dass das Ziel, der Grenzwanderweg im Eckertal, besonders schön sein soll, davon hatte ich gehört. Aber dass ich schon kurz hinter dem Bahnhof in Bad Harzburg, direkt angrenzend an die Stadt, ein so großartiges Stückchen Natur entdecken würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Zu verdanken habe ich das meinem Routenplaner, der mich dort langgeführt hat.

Getreidefeld bei Bad Harzburg

Ein Stadtteil, der durch sechs Kilometer Wald abgetrennt ist

Los geht es mit der Bahn von Braunschweig nach Bad Harzburg. Die Züge fahren mittlerweile zweimal pro Stunde, einmal sogar als Direktverbindung in gerade mal 47 Minuten. Für 16,10 Euro fahre ich bequem und umweltfreundlich einmal in den Harz und zurück. Von Bad Harzburg aus geht es zu Fuß weiter ins Eckertal.

 

Das ist eigentlich ein Stadtteil von Bad Harzburg, dieser liegt jedoch sechs Kilometer vom eigentlich Stadtkern entfernt, direkt an der Grenze zu Sachsen-Anhalt und damit auch der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommt man von der Kernstadt aus am besten auf dem Ilsenburger Stieg dorthin, einem Forstweg, der einmal quer durch den Wald führt. 

Mohnblumen, Getreidefeld bei Bad Harzburg

Blick auf das Harzvorland

Der Einstieg zum Ilsenburger Stieg befindet sich am östlichen Rand von Bad Harzburg. Ich wollte durch die Stadt dorthin laufen, aber mein Routenplaner hat einen anderen Vorschlag: Er lotst mich über den am nördlichen Stadtrand verlaufenden Kammweg auf dem Butterberg entlang.

 

Was für eine großartige Idee! Der Butterberg ist die erste Erhebung des Harzes und ich kann von dort aus - zumindest an einer Stelle, die nicht zugewachsen ist - sowohl das Harzvorland als auch die ersten abgeernteten Getreidefelder und das zu Rundballen gepresste Stroh sehen. 

Altes, zugewachsenes Wanderschild bei Bad Harzburg. Naturschutzgebiet Butterberg
Altes Gartentor, verrostet, bei Bad Harzburg
Nördliches Harzvorland, von Bad Harzburg aus gesehen

Alleine auf dem Kammweg

Der Kammweg selbst ist ein Pfad, der den Eindruck macht, als würde er mitten in unberührter Natur liegen. Dabei führt parallel eine Wohnstraße lang und wer genau schaut, sieht ab und zu die Häuser zwischen den Laubbäume. Die Hundebesitzer, die dort wohnen, haben direkt vor der Tür einen wunderschönen Weg zum Gassigehen. Seltsamerweise treffe ich hier keinen Menschen. 

Kammweg Bad Harzburg

Radlertreff auf dem Ilsenburger Stieg

Das ändert sich, als ich auf den Ilsenburger Stieg komme. Dort sind viele Mountainbiker und Tourenradler mit dicken Gepäcktaschen unterwegs. Der Ilsenburger Stieg ist Teil des Europäischen Fernwanderwegs E11. Ich muss über die Beschilderung schmunzeln: "Niederlande-Harz-Thale" steht da so gleichwertig nebeneinander, als wären die Niederlande das Nachbardorf von Thale. Und tatsächlich treffe ich schon am Einstieg des Wegs auf einen Holländer mit bepacktem Fahrrad, der dort auf seine Frau wartet. 

Die Schatten der Blätter tanzen im Wind

Ich tausche den idyllischen Kammweg eher widerwillig gegen den breiten Forstweg ein. Doch spätestens als die Sonne durch die Kronen der hoch gewachsenen Buchen und Birken blinzelt und sachter Wind die Schatten der Blätter auf dem Weg tanzen lässt, freunde ich mich mit dem Ilsenburger Stieg an. 

Ilsenburger Stieg

Die ehemalige Grenze zwischen West- und Ostdeutschland

Der Weg endet in einer T-Kreuzung. Ich biege links ab und laufe durch das Örtchen Eckertal bis an die Hauptstraße. Gleich dahinter liegt Stapelburg. Während Eckertal zu Niedersachsen gehört, liegt das wenige Meter entfernte Stapelburg in Sachsen-Anhalt. Zwischen den beiden Orten fließt die Ecker, die jahrzehntelang Grenzfluss zwischen West- und Ostdeutschland war. Ein Denkmal erinnert an die Teilung. 

Grenzdenkmal Eckertal/ Stapelburg

Auf dem Grenzwanderweg durchs Eckertal

Direkt an der Okerbrücke zwischen den beiden Orten führt der Grenzwanderweg an der Ecker entlang zum Jungborn-Gelände. Er ist Teil des Grünen Bandes, ein Schutzgebiet für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten entlang des ehemaligen Grenzstreifens. Ich bin dem Bund für Umwelt- und Naturschutz sehr dankbar für ihr auffälliges, handgemaltes Schild an der Brücke. Ohne das Schild hätte ich den zugewachsenen Einstieg übersehen, der direkt an der Brücke über schmale Stufen steil nach unten führt.  

Schild Grenzwanderweg an der Brücke zwischen Eckertal und Stapelburg, BUND
Schild Harzer Grenzweg, Grünes Band, Klosterwanderweg
Alter Bahnübergang, Eckertal

Auch hier begegnet mir auf dem Weg kein Mensch. Ich stoße auf Reste einer alten Eisenbahnbrücke und mitten zwischen den Bäumen taucht auf einmal ein Grenzpfosten auf, dessen Farbe stark abgeblättert ist. Die Zeit lässt die letzten Spuren der jahrzehntelangen Teilung Deutschlands langsam verschwinden. 

Grenzwanderweg Eckertal
Grenzwanderweg Eckertal
Grenzwanderweg Eckertal, Holzbrücke
Eckertal, Grenzwanderweg, Blume
Grenzwanderweg Eckertal, neue Brücke

Das Jungborn-Gelände und seine spannende Geschichte

Neben mir plätschert die Ecker. Insgesamt zwei Kilometer sind es von der Brücke zwischen Eckertal und Stapelburg bis zum ehemaligen Jungborn-Gelände. In keiner meiner Wanderkarten ist das Gelände eingezeichnet. Auf einer steht immerhin "ehemaliger Eckerkrug", die Gaststätte, die damals dort stand.

 

Aber auch, wenn das Jungborn-Gelände ziemlich versteckt liegt: Es lohnt sich, es ausfindig zu machen. Der Jungborn war eine berühmte Naturheilanstalt, zu deren Kurgästen Franz Kafka gehörte. Mit dem Bau der Grenze wurden allerdings alle Gebäude abgerissen. Die spannende Geschichte der Jungborn-Einrichtung habe ich hier erzählt: Jungborn: Licht, Luft und nackte Haut

Jungborn-Gelände, Stapelburg/ Eckertal

Neu ist, dass man über den Jungborn-Verein Stapelburg auch diese Schäferwagen (siehe unteres Foto) mieten kann - angelehnt an die Idee der Lichtlufthäuser der damaligen Naturheilanstalt. 

Eckertal, Stapelburg: Jungborn-Gelände, Anhänger

Pause im Waldcafé am Jungborn

Ein paar Schritte vom Jungborn-Gelände entfernt, gibt es seit fünf Jahren das Waldcafé am Jungborn. Hier kann man im Garten unter schattigen Bäumen selbst gebackenen Kuchen essen. Besonders für Familien ist es ein tolles Ziel: Es gibt einen Streichelzoo, unter anderem mit kleinen Harzziegen, es gibt Ponys und freilaufende Hühner.

 

Die Erwachsenen interessieren sich mehr für die Kuchenauswahl, Windbeuteltorte mit Beeren zum Beispiel oder Stachelbeertorte (siehe Foto ganz oben). Letztere ist angenehm fluffig und die cremige Sahne und die fruchtigen Beeren ergänzen sich bestens. Ein Abstecher ins Waldcafé lohnt sich auf alle Fälle. 

Bleiglasfenster, Mosaik, Bahnhofsgebäude Bad Harzburg

Denkmalgeschütztes Bahnhofsgebäude zu verkaufen

Mir bleibt noch Zeit, die Jugendstil-Fenster im Bahnhofsgebäude von Bad Harzburg zu bewundern. Das Gebäude selbst wurde 1905 gebaut und ist denkmalgeschützt. Falls jemand Interesse hat: Die Bahn will es offensichtlich loswerden (siehe Immobilienscout24.de). Einen kleinen Nachteil hat die Sache allerdings: Als neuer Eigentümer muss man den Zugang der Reisenden zum Bahnsteig über die Durchgangshalle "unentgeltlich dulden". Tja ...

Mosaik, Bleiglas, Bleiglas, Bahnhofsgebäude Bad Harzburg

Die Tourdaten

Tour: Karte und Beschreibung bei Komoot (geht auch ohne einloggen, einfach nach unten scrollen)

Dauer: 5:12 h (Ich habe für den Hinweg mit viel Fotografieren und Erkunden vier Stunden gebraucht. Der Rückweg ging deutlich schneller: Weil ich den Zug noch erwischen wollte, bin ich die Strecke in eineinhalb Stunden gelaufen)

Entfernung: 18,8 km

Höhenmeter: 340 

Waldcafé am Jungborn

Waldcafé am Jungborn

Blankenburger Straße 47

38667 Bad Harzburg (Eckertal)

Telefon: 05322/ 55 36 80

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 12 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 10 bis 18 Uhr

Das könnte für dich interessant sein:

Baumwipfelpfad Bad Harzburg
Baumwipfelpfad Bad Harzburg: Grüner wird's nicht
Harzburger Hof: Symbol für glanzvolle Zeiten
Harzburger Hof: Symbol für glanzvolle Zeiten

Wer schreibt hier?

Mein Name ist Monika Herbst. Ich bin Journalistin, lebe in Braunschweig und verbringe meine Freizeit so oft es geht im Harz - mit Familienausflügen, Wanderungen, Mountainbiken und gutem Essen. Wo es im Harz am schönsten ist, könnt ihr in meinem Blog lesen. Mehr dazu:

Harzlust - die Idee hinter dem Blog.


Teilen:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0