"Gebrauchsanweisung für den Harz" - mein Lieblingsreiseführer

Jetzt habe ich die "Gebrauchsanweisung für den Harz" schon fast zweimal gelesen und immer noch nichts darüber geschrieben. Wird Zeit, dass sich das ändert. Schließlich gehört das Buch zu meinen absoluten Favoriten unter den Harz-Reiseführern.

Geschichten statt Standard-Sehenswürdigkeiten

Buchcover: Gebrauchsanweisung für den Harz von Jana Thiele

Die ganze Reihe "Gebrauchsanweisung für..." aus dem Piper-Verlag ist toll. Zunächst, weil einem als Leser und Reisender vieles erspart bleibt: Zum Beispiel das Aufzählen von Standard-Sehenswürdigkeiten und historischen Daten in lieblosen Text-Häppchen. Statt dessen gibt es Geschichten von Menschen, die erzählen können. Menschen wie Jana Thiele, die Leipziger Autorin, die die "Gebrauchsanweisung für den Harz" geschrieben hat. Sie hat sich gemeinsam mit zwei Freunden eine Hütte bei Quedlinburg gekauft - und ist dann munter losgestapft, um den Harz zu erkunden. Mit ihren Lesern. Und ohne ihre Mit-Hüttenbesitzer. Wie sie schreibt, ist einer von ihnen schon bei der ersten Besichtigung ihrer künftigen Hütte mit seinen "portugiesischen Wildleder-City-Slippern" im Schnee versunken. Mit derart bildlichen und detaillierten Beschreibungen nimmt Jana Thiele ihre Leser auf 219 Seiten mit in den Harz. Man ist dabei bei unangenehmen Begegnungen, wie der mit dem Hotel-Besitzer in Osterode, der die alleinreisende Frau erst einschüchtert und ihr dann viel zu viel Geld für die Übernachtung abnimmt. Und man begleitet sie bei angenehmen Momenten, zum Beispiel, als sie den "Brockensplitter" probiert, eine Spezialität aus Wernigerode aus Nusskrokant und Bitterschokolade. Das Teil ist zwar hart wie "Brockengranit" und sie vermutet, dass er unter Zahnärzten den Kosenamen "pures Gold" trägt, aber es schmeckt köstlich. 

Schierker Feuerstein gegen Magenbeschwerden

In der "Gebrauchtsanweisung für den Harz" gibt es interessante Anekdoten, wie die Geschichte des Kräuterlikörs "Schierker Feuerstein". Er wurde 1924 von einem Apotheker aus Schierke erfunden - und sollte natürlich nur aus medizinischen Gründen angewendet werden, zum Beispiel bei Magenbeschwerden. Es kam anders, wie wir wissen. Magenbeschwerden muss heute kein Harz-Besucher vorgeben, wenn er den Likör trinken will. Der Erfinder der hochprozentigen Kräutermischung hieß Willy Drube, sein Grab kann man noch heute auf dem Friedhof in Schierke besuchen, wie Jana Thiele schreibt. Auch über die Grabinschrift informiert sie ihre Leser: "In dieser Erdengrube/ ruht Apotheker Drube/ Oh Wanderer eile fort von hier, sonst kommt er 'raus und trinkt mit Dir!" 

Furchteinflößendes Gebäude abseits der Touri-Ströme

Die Autorin lässt sich treiben, stöbert und plauscht ausgiebig im Antiquariat - mit ihren Lesern immer im Schlepptau. Auch auf zufällige Entdeckungen abseits der Touristenpfade geht sie ein, wie den leeren Gebäudekomplex auf dem Großen Ziegenberg in Ballenstedt, den sie als "ziemlich furchteinflößend" beschreibt. Sie recherchiert und findet heraus, dass es sich um die ehemalige Nationalpolitische Erziehungsanstalt Anhalt handelt, die 1939 gebaut wurde. In diesen Anstalten bildeten die Nationalsozialisten während des Dritten Reichs ihren Elite-Nachwuchs aus, zu DDR-Zeiten diente das Gebäude der SED für die ideologische Fortbildung ihrer künftigen Führungskräfte (Fotos und interessante Infos über das Gebäude unter www.rottenplaces.de).

Fazit: Kaufen!

Die "Gebrauchsanweisung für den Harz" bietet von allem etwas: spannende Historie, Anekdoten, eigene Erlebnisse - und damit viel interessanten Lesestoff, anschaulich und humorvoll erzählt. Einziges Manko sind die stellenweise langen Literatur-Zitate, die den Lesefluss eher stören als fördern. Wer im Harz Urlaub macht, sollte die "Gebrauchsanweisung" unbedingt im Koffer haben. Mit dieser unterhaltsamen und informativen Lektüre ist man auch für Regentage gewappnet, die es vor allem im Oberharz öfter mal gibt. 

 

"Gebrauchsanweisung für den Harz" von Jana Thiele, Piper-Verlag 2014, 14,99 Euro.

Reiseführer-Tipp für Familien

Wer mit seinen Kindern zu Fuß den Harz erkunden möchte, sollte sich außerdem den gerade neu aufgelegten (und um GPS-Daten und Gratis-App ergänzten) ADAC-Wanderführer "Harz: Wandern mit Kindern" zulegen. Wir haben schon viele schöne Touren daraus nachgemacht (z.B. "Blankenburg - für Höhlenforscher und Burgherren", "Borkenkäferpfad: Wandern trotz Warnung", "Endlich wieder im Polsterberger Hubhaus")

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Kommentare: 4
  • #1

    dorothee kemper (Mittwoch, 03 Juni 2015 18:18)

    das ist ja spannend mit der" Gebrauchsanweisung für den Harz"...Monika Herbst.
    Ich freue mich immer 14tägig über neue Infos auf Ihrem BLOG...
    Dorothee Kemper in Erwartung der 30 Grad...

  • #2

    Monika Herbst (Donnerstag, 11 Juni 2015 09:01)

    Hallo Frau Kemper,
    oh ja, und schon stehen die nächsten 30 Grad an. Apropos: Gibt es eigentlich unter den Teichen um Clausthal-Zellerfeld/ Buntenbock einen Badeteich, den Sie empfehlen können?
    Herzliche Grüße, Monika Herbst

  • #3

    Dorothee Kemper (Samstag, 13 Juni 2015 13:27)

    es gibt den Ziegenberger Teich,die ( eingezäunte ) Liegewiese davor gehört mi,
    die Stadt beteiligt sich weder an Wasseruntersuchungskosten noch an Mähen /Müll und anderem .Der Landkreis hat mir empfohlen, die Wiese einzuzäunen.Dort können Sie schön baden.
    Doro Kemper grüsst mit Sommerwetter und sehnlichst erwartetem Regen.

  • #4

    Monika Herbst (Dienstag, 16 Juni 2015 08:25)

    Das ist ja nett :) Probieren wir gerne mal aus... Die Wasserqualität ist gut? Und kann man als "Tourist" auch ganz offiziell irgendwo baden gehen? Für den Regen drücke ich die Daumen. Das Problem gibt es in Ihrer Gegend ja eher selten ;)