Monika Herbst

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Braunlage: Top-Ziel für Architekturfans

Der Speisesaal im Sanatorium Dr. Barner in Braunlage
Im Speisesaal des Sanatoriums Dr. Barner in Braunlage hängt eine hundert Jahre alte Tapete

Man sieht es ihr nicht an, aber die tiefblaue Tapete mit den schicken Ornamenten hängt seit hundert Jahren im blauen Salon des Sanatoriums Dr. Barner in Braunlage. Die Tapete ist in sehr gutem Zustand - wie so vieles hier, in einem der besterhaltenen Jugendstilbauten Deutschlands.

"Der Zauberberg" in Braunlage

Braunlage? Wintersportler, die den Namen hören, denken sofort an den Wurmberg, Norddeutschlands größtes Skigebiet. Dass Braunlage auch für Architekturinteressierte etwas Besonderes zu bieten hat, wissen die wenigsten. Der Weg zum Jugendstil-Sanatorium führt durch das Ortszentrum, vorbei an der Seilbahn, am Bikepark und am Verleih für "Monsterroller". Biegt man ab auf das Klinik-Gelände, 40 Meter über dem Ortskern auf dem "Hütteberg", wird es auf einmal ruhig. Das Sanatorium befindet sich in einem weitläufigen Garten mit Pferdekoppel. Fünf Pferde gibt es und zwei Schafe. Die Tiere werden zur Therapie eingesetzt. Das ist neu. Vieles ist dagegen noch wie früher und erinnert an den Sanatoriums-Aufenthalt von Hans Castorp in Thomas Manns Werk "Der Zauberberg" (1924): So gibt es auf dem Gelände auch eine hölzerne, überdachte Terrasse, die heute noch - wie zu Zeiten des berühmten Schriftstellers - für Liegekuren genutzt wird. Die passive Haltung und die frische Luft sollen den Patienten helfen, zur Ruhe zu kommen. Viele sind wegen Burnout hier.

Liegehalle im Sanatorium Dr. Barner. Offenes Holzgebäude mit Liegen.
Wie zu Thomas Manns Zeiten: Die Liegehalle im Sanatorium Dr. Barner

Erholung für die erschöpfte Gründergeneration 

Das Sanatorium eröffnete im Jahr 1900. Schon damals kamen viele Patienten mit Burnout hierher, eine Erkrankung die zu der Zeit als Neurastenie bezeichnet wurde. Das Leben in den Städten überforderte die Menschen. Sie gehörten zur Gründergeneration, bauten eigene Unternehmen auf und arbeiteten dafür sieben Tage die Woche. Die Hauptdiagnose: körperliche und psychische Erschöpfung. Das Sanatorium richtete sich vor allem an das gehobene Bürgertum. 2,45 Goldmark mussten sie zur damaligen Zeit pro Tag zahlen. Zum Vergleich: Die Übernachtung in einem Pensionshaus kostete etwa 45 Pfennig. 

Albin Müller führten Schlafprobleme ins Sanatorium

Zum Gebäudekomplex gehören zwei Villen, die durch einen Mittelbau miteinander verbunden sind. Das Verbindungsgebäude hat der renommierte Jugendstil-Architekt Albin Müller entworfen. Er litt an Magen- und Schlafproblemen und kam deshalb 1903 als Patient in das Sanatorium. 

 

40 Zimmer sind noch original möbliert. Im Haupthaus gibt es noch richtiges Inlaid-Linoleum, bei dem sich das Muster durch das gesamte Material zieht - es ist nicht einfach nur aufgedruckt, sondern richtig eingewalzt. Die Vorhalle im Stile eines Grand-Hotels ist edel mit Carrara-Marmor und Granit ausgestattet. Im Musikzimmer gibt es Eichenparkett, angedeutete Säulen, Stuckdecken und eine wunderschöne Original-Lampe mit aneinandergereihten Glaskugeln.  

Der Mittelbau des Sanatoriums Dr. Barner: Reduktion und Klarheit statt Ornamentik um jeden Preis
Der Mittelbau des Sanatoriums Dr. Barner: Reduktion und Klarheit statt Ornamentik um jeden Preis

Warum ist die Innenausstattung so gut erhalten?

Gab es in all den Jahren nie die Versuchung, das alte Ambiente zu verändern? Johannes Barner, der das Sanatorium heute gemeinsam mit seinem Bruder betreibt, verneint. Dafür habe das Geld gefehlt. Es waren Krisenzeiten, die das Haus lange Jahre im ursprünglichen Zustand festfroren: Der erste Weltkrieg, die Weltwirtschaftskrise, dann der zweite Weltkrieg. Dazu kam, dass das Haus über all die Jahre von der Familie betrieben wurde. Sie waren mit Albin Müller befreundet, auch die nachfolgenden Generationen respektierten seine Arbeit. Erst in den 60er und 70er-Jahren wurde vorsichtig renoviert und Bäder und ein Schwimmbad eingebaut. 

 

Das Gebäude soll in den nächsten 20 Jahren - bei laufendem Betrieb - komplett wieder in den Ursprungszustand zurückversetzt werden. Finanzielle Unterstützung dafür gibt es von der Stiftung deutscher Denkmalschutz. Die Planung hat das renommierte Architekturbüro Chipperfield übernommen. 

Sanatorium Dr. Barner: Führungen für Architekturfans

Wer sich das Sanatorium Dr. Barner ansehen möchte: Jeweils samstags um 15 Uhr gibt es eineinhalbstündige Führungen durch das Gebäude, samstags um 20 Uhr zudem öffentliche Klassik-Konzerte. Tipp: Unbedingt den großartigen Kuchen probieren - am besten ganz standesgemäß im Damenzimmer. 

Text und Fotos: Monika Herbst

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Kommentare: 1
  • #1

    shania (Freitag, 09 September 2016 01:02)

    Bei Interesse könnte ich noch mehr Fotos vom Sanatorium Dr. Barner liefern. Auch Fotos von einem Patientenzimmer.