Monika Herbst

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Mit dem Mountainbike auf den Brocken

"Ich fahre mit dem Mountainbike locker doppelt so schnell auf den Brocken wie ihr alle." Nachdem Kumpel Mathi diesen Satz gesagt hatte, war es  einen Moment ruhig in unserer Abendrunde. "Angeber!", dachte ich. Und sagte: "Okay, wann fahren wir?"

Ich mag keine Mountainbike-Wettrennen. Aber den Spruch konnte ich einfach nicht unwidersprochen stehen lassen. Und jetzt muss ich es ausbaden: 10:40 Uhr, am Wohnmobilstellplatz in Ilsenburg, der Startpunkt für unser kleines Privatrennen. Die Strecke führt die breite Forststraße am Fluß "Ilse" entlang über die asphaltierte Brockenchaussee hinauf zum 1142 Meter hohen Brocken. Insgesamt 830 Höhenmeter, verteilt auf 12,6 Kilometer. Dauer laut Navi: 2:35 Stunden. 

Mountainbiker auf dem Brocken im Harz
Geschafft: Wir sind auf dem Brocken!

Schon kurz nach dem Start ist von Mathi nichts mehr zu sehen. Er hängt sich ordentlich rein. Ich kämpfe mich die Forststraße hoch. Auf der anderen Seite der Ilse führt ein Wanderweg lang. Ein perfekter Trail. Nur leider nicht an Brückentagen mit schönem Wetter. Er ist voll mit Wanderern. Nach einer halben Stunde habe ich die Bremer Hütte erreicht. Neidisch gucke ich auf die vielen Menschen, die dort gerade Pause machen. Ein kurzer Stopp wäre jetzt nicht schlecht. Stattdessen nutze ich das etwas flachere Stück, um nach dem Riegel in meiner Trikottasche zu fingern und ihn während der Fahrt zu essen. Von der Bremer Hütte aus hat man einen - eigentlich - traumhaften Blick auf den Brocken. Boah, ist das noch weit!

 

Hinter der Hütte wird es langweilig. Forststraße, Fichten, Forststraße, Fichten. Für Abwechslung sorgt nur ein Pärchen, das mich mit Mountainbikes überholt. Wie überholt? Die fahren kein Rennen und ziehen trotzdem locker an mir vorbei? Mist. Soll ich schneller fahren? Mein Puls rast, die Beine sind schwer - und bis zum Brocken ist es noch weit. Ein bisschen Kraft sollte ich noch übrig lassen. Ich bin schlapp, muss mich aber irgendwie motivieren. Im Takt des Tretens denke ich "Ich-bin-schneller-Ich-bin-schneller-Ich-bin-schneller". Klappt null. Ich kann nicht mehr. Stattdessen gucke ich sehnsüchtig auf die schönen Pausenplätze, an denen ich vorbei fahre. Die Sonne blitzt zwischen den Bäumen durch und lässt die Tautropfen auf den Gräsern blitzen. Es geht vorbei an bemoosten Steinen, an der gurgelnden Ilse entlang... Der nächste Biker überholt mich und reißt mich aus meinen Gedanken. Nicht gerade motivierend, wenn alle an einem vorbeiziehen. Auf dem Trikot des Bikers steht irgendwas von "Rennteam". Das lindert die Schmach etwas. 

Kurz vor Ilsenburg: Vorsicht vor nassen Blätterhaufen!
Kurz vor Ilsenburg: Vorsicht vor nassen Blätterhaufen!

Apropos Rennteam. Leider ist auch Mathi topfit. Er geht vier Mal pro Woche zum Biken. Meine letzte ernstzunehmende Biketour liegt bestimmt vier Wochen zurück (ich fürchte, die 10-Minuten-Fahrten zum Kindergarten zählen nicht), ich kann nur mit gelegentlichem Joggen und Training im Fitnessstudio punkten. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Frauen nur etwa 80 Prozent der Ausdauerleistung von Männern schaffen - weil ihr Herz kleiner ist. Vorausgesetzt, der Trainingszustand ist gleich. Da davon bei Mathi und mir keine Rede sein kann, bleiben vielleicht 60 Prozent seiner Leistung für mich übrig. Das würde sogar reichen, um die Wette zu gewinnen... Er hat ja behauptet, doppelt so schnell zu sein. Also weitertreten.

 

Nach etwa einer Stunde Fahrzeit radle ich an der "verdeckten Ilse" vorbei und freue mich über die Abwechslung zur Fichtenmonotonie. Eine Reihe von riesigen Granitsteinen am Wegesrand versperrt den Blick auf den Fluß, daher die Bezeichnung "verdeckte Ilse". Ich nutze das kurze, flachere Stück, um etwas langsamer zu fahren und Kraft für den weiteren Anstieg zu sammeln. Armer Mathi, der ist hier bestimmt voll durchgekachelt. Jetzt tut er mir doch ein bisschen leid. Aber selbst schuld: Hätte er den Mund mal nicht so voll genommen. 

 

Wenn die Angabe auf dem Navi stimmt, habe ich noch etwa eineinhalb Stunden vor mir. So viel? Plötzlich schaltet sich mein Smartphone von selbst aus. Ich habe es zum Navigieren genutzt. Ob ihm das Geschüttel beim Fahren nicht bekommen ist? Bergauf treten und gleichzeitig das Handy wieder anzuschalten und den Track aufzurufen ist eine ziemliche Herausforderung. Das fesselt meine Aufmerksamkeit komplett und auf einmal liegt der Abzweig zur Brockenchaussee vor mir. Jetzt ist es nicht mehr weit. Ich finde mich plötzlich inmitten eines Gewusels von etwa 30 auf- und abfahrenden Rennradfahrern wieder. Mathi erzählt später, dass vor etwa einem Jahr die Brockenchaussee erneuert wurde und der Brocken seitdem ein beliebtes Rennrad-Ziel geworden ist. Ich werde mich wohl daran gewöhnen müssen, von jetzt an ständig überholt zu werden. Wobei einige der älteren Herren, die sich an mir vorbei nach oben quälen, beim Luftholen wie die schnaufende Brockenbahn höchstpersönlich klingen. Gesund ist das jedenfalls nicht... Aber vielleicht sollte ich nicht so faul sein und auch mal treten, bis ich der Dampflok Konkurrenz mache?

 

Über mangelnde Ablenkung kann ich jetzt jedenfalls nicht mehr klagen. Spätestens, als hinter der Bahnkreuzung auch noch die Wanderer vom Goetheweg auf die Brockenchaussee einbiegen, ist die Straße endgültig voll. Die rechte Straßenseite teile ich mir mit herabgehenden Wanderern, die linke Straßenseite nutzen die Wanderer, die nach oben gehen (sie werden mehrfach per Schild darauf hingewiesen, dass sie links gehen sollen) sowie die abfahrenden Radler. Die Straße würde gerade so reichen, wenn alle hintereinander in "ihrer" Spur bleiben würden. Aber die Grüppchen gehen und fahren natürlich nebeneinander und so bin ich vollauf mit Durchzirkeln, Ausweichen und Überleben beschäftigt. Vor allem, da die Windschatten-gewohnten Rennradfahrer ein weitaus geringeres Bedürfnis nach Sicherheitsabstand haben als ich. Ich habe keine Zeit mehr, mich auf den rasenden Puls und die harten Beine zu konzentrieren. Kalt ist es geworden. 800 Höhenmeter, das sind immerhin rund 8 Grad weniger. Als ich über die Kuppe fahre, kommt noch Wind dazu. Egal. Ich habe das Ziel erreicht. Nach 1 Stunde und 43 Minuten. Als ich Mathis entsetzes Gesicht sehe, als er mich sieht, weiß ich, dass sich die Quälerei gelohnt hat. Er hat 1 Stunde und 21 Minuten gebraucht. Von wegen doppelt so schnell. Gerade mal gute 20 Minuten hat er rausgeholt. Was natürlich trotzdem eine großartige Leistung ist. Aber den Spruch mit dem "doppelt so schnell" wird er so schnell nicht wieder machen. 

 

Und sonst?

Der Rückweg ist entspannt: Erst fahren wir den (weniger großartigen, aber nötigen) Plattenweg Richtung Norden hinunter - mit toller Aussicht auf den Eckerstausee. Dann geht es auf abwechslungsreichen und zum Teil ziemlich fordernden Trails um einen Teil des Eckerstausees herum und zurück nach Ilsenburg. 

Weitere Infos:

Mit dem Mountainbike auf den Brocken, diese Wege gibt es:

• Unsere Wahl: Aus Richtung Norden von Ilsenburg aus, erst auf einem Forstweg entlang der "Ilse", dann auf der Brockenchaussee.

 

• Aus Richtung Norden von Bad Harzburg/ Radau Wasserfall aus am Eckerstausee vorbei via Kolonnenweg/ Hirtenstieg. Unser Rückweg. Kann man machen, aber die Platten mit Löchern drin sind unangenehm zu fahren und es ist extrem steil.

 

• Aus Richtung Westen von Torfhaus/ Oderbrück via Goetheweg. Während der Saison oder am Wochenende wegen der vielen Wanderer nicht empfehlenswert, sonst ein sehr schöner Weg (siehe auch Winter-Wanderung auf den Brocken).

 

• Aus Richtung Süden von Schierke: Die Variante für Einsteiger - komplett auf der asphaltierten Brockenchaussee mit den wenigsten Höhenmetern.

Wirklich alles über den Brocken und die verschiedenen Wege dorthin kann man auf dieser großartigen Seite nachlesen: http://de.wikivoyage.org/wiki/Brocken

Text: Monika Herbst, freie Journalistin

Fotos: Mathias Wagner und Monika Herbst

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