Trauerspiel am Wurmberg

Heute auf dem Wurmberg im Harz: Es sind etwas über 0 Grad, auf dem Boden liegt Schneematsch. Ein einsamer Pistenbully transportiert eine Schneekanone über die neue Skipiste am Wurmberg. Der Wind pfeift uns ungemütlich um die Ohren. 

Noch ungemütlicher dürfte es derzeit für die Leute sein, deren Existenz vom Schnee abhängt und die sich dafür eingesetzt haben, dass das Skigebiet am Wurmberg ausgebaut wird. Denn bislang zeigt der Schnee dem Harz die kalte - oder vielmehr die warme - Schulter. Es gab diesen Winter noch keinen einzigen Skitag.

 

"Das ist doch sowieso anachronistisch, was da gerade im Harz läuft", sagte mir am Nachmittag eine Redakteurin aus Berlin am Telefon. In Zeiten des Klimawandels sehen die Hauptstädter keine Zukunft für ein Skigebiet in tieferen Lagen - das hat uns auch die taz schon mitgeteilt (siehe "Skisport im Harz - hat das Zukunft?"). Ausgerechnet von den Berlinern, für die der Harz quasi das Naherholungsgebiet ist, kommt deutlich Gegenwind.

 

Mir reicht es. Ich schlage mich auf die Seite der Ski-Befürworter im Harz. Für ihr Projekt gibt es nämlich gute Gründe: Ich habe mir sagen lassen, dass man in den vergangenen Jahren zu Spitzenzeiten auch mal eine Stunde am Lift anstehen musste, wenn man auf dem Wurmberg Ski- oder Snowboardfahren wollte. Da kann der zusätzliche Vierer-Sessellift nicht schaden. Mit Langlauf allein wird man es nicht schaffen, junge Gäste und Familien für den Harz zu begeistern. Und jüngere Gäste kann der Harz definitiv gebrauchen (sonst war's das nämlich irgendwann ganz mit den Gästen). Der Wurmberg ist der höchste Skiberg im Harz, er hat im Norden viele hundert Kilometer weit keine Konkurrenz. Hallo, wenn nicht hier, wo dann? Das Sauerland hat es vorgemacht: Dort läuft - trotz ebenso düsterer Prognosen - das Skigeschäft richtig gut, seit vor einigen Jahren in moderne Lifte und Beschneiungsanlagen investiert wurde (mehr dazu in diesem aktuellen Artikel auf Spiegel.de). 

 

Die geplante Neueröffnung des Skigebiets wurde auf den 18. Januar verschoben. Ich drücke die Daumen. 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Andreas (Samstag, 11 Januar 2014 14:53)

    Wir Berliner sind halt pragmatisch. Bei Schnee kommen wir natürlich schon- aber weil wir halt wissen dass der Schnee dort oft Mangelware ist, sehen wir die wirtschaftliche Zukunft vielleicht eher skeptisch...
    Aber egal, der Artikel gefällt mir! (Besser als der im falschen Winter abgedruckte Spiegel-Artikel. Dementsprechend mies waren dort auch die Kommentare.)